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und Geselligkeit. Abt Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem (1709-1789) in
seiner Zeit suchen: bei zvab |
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»Diese Veröffentlichung will an Leben
und Wirken eines Mannes erinnern, dessen Name im Braunschweiger Raum einen
guten Klang hat, der aber doch nur den wenigsten näher bekannt ist.
Die Zeugnisse über ihn und seine Zeit sind in einer Sprache verfaßt,
die uns immer fremder wird. Diese Beschreibung will helfen, den Abt Jerusalem
besser zu verstehen. Dem Leser der Darstellung wird deutlich werden, daß
er hier mit einer Schlüsselfigur im Herzogtum Braunschweig vertraut
gemacht wird, die in ihrer Person vereinigte, was heute in die verschiedensten
Ressorts, Disziplinen, ja ›Kulturen‹ aufgeteilt ist. Johann
Friedrich Wilhelm Jerusalem war ein Mann der Braunschweiger Aufklärung,
auf die wir in den letzten Jahren verstärkt aufmerksam geworden sind.« |
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Leseprobe
aus der Einleitung |
»In
der Nacht vom ersten auf den zweiten September, früh um halb 3 Uhr,
starb hieselbst Herr Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, Doktor der Theologie,
Vicepräsiden des Fürstl. Consistorii zu Wolfenbüttel, Abt
zu Riddagshausen, Probst des hiesigen Kreuz= und Aegidienklosters, und Curator
des Collegii Carolini, im 80sten Jahre seines Alters, an den Folgen eines
einseitigen Schlagflusses. [...]« – so war es in den »Braunschweigischen
Anzeigen« vom 5. September 1789 unter der Rubrik »Absterben
charakterisirter Personen« zu lesen. [...] Die Person Jerusalems steht in der Ausstellung wie in der Darstellung jeweils im Mittelpunkt, ohne daß jedoch darüber das gelehrte und gesellige Umfeld vergessen wird. Die Koordinaten »Gelehrsamkeit« und »Geselligkeit« können dabei zur Bestimmung eines facettenreichen beruflichen wie privaten Lebens dienen. Jerusalem war nicht nur Theologe, sondern auch Pädagoge und Politiker. In diesen Funktionen hat er wichtige bildungs- und kulturpolitische Entwicklungen im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel während der Phase der Aufklärung angeregt und mitgestaltet. Durch seine aktive Mitwirkung an der Modernisierung des Gemeinwesens unterschied Jerusalem sich sehr deutlich vom Bild des weltfernen Gelehrten der Vergangenheit. Das Leben Johann Friedrich Wilhelm Jerusalems darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Es ist in den Kontext der Zeit zu stellen und aus dem Zusammenwirken mit Zeitgenossen zu erklären. Gesellig-kommunikative Aspekte sind aber auch deshalb zu berücksichtigen, weil sie für das entstehende Bildungsbürgertum des 18. Jahrhunderts einen hohen Symbolwert hatten. Das Schwergewicht der Darstellung liegt auf der Phase von 1742 bis 1789, also den insgesamt 47 Jahren, die Jerusalem im Herzogtum Braunschweig – in den Residenzstädten Wolfenbüttel und Braunschweig – verbrachte. Der Text und die Ausstellung sind jeweils in fünf Abschnitte gegliedert: TOPOGRAFIE, GELEHRSAMKEIT, J.F.W. JERUSALEM, GESELLIGKEIT und REZEPTION. Den Ausgangspunkt und äußeren Rahmen bildet eine knappe Skizze der politisch-gesellschaftlichen Zustände im Herzogtum während des 18. Jahrhunderts. Im Anschluß daran wird das Collegium Carolinum vorgestellt, das die bedeutsamste gelehrte Einrichtung Braunschweigs zu dieser Zeit war. Dabei ist vor allem der große Anteil zu würdigen, den Jerusalem als Mitinitiator, Mitkurator und Direktor am Aufbau und an der Leitung dieser Institution hatte. Der folgende Abschnitt ist einer zusammenhängenden Schilderung der wichtigsten biografischen Stationen Jerusalems gewidmet. In diesem Kontext sind die Ämter und Aufgaben anzuführen, die Jerusalem in Braunschweig neben denen am Collegium Carolinum noch innehatte. Dazu gehörten die des Hofkaplans, Reisepredigers, Prinzenerziehers, Leiter des Predigerseminars und die des Vizepräsidenten des Konsistoriums. Außerdem ist auf sein umfangreiches wissenschaftliches Werk einzugehen. Anhand einiger typischer Aspekte des geselligen Lebens in der Stadt Braunschweig ist dann – im wesentlichen am Beispiel und aus der Perspektive Jerusalems – aufzuzeigen, wie sich in der Verschränkung von Beruflichem und Privatem im alltäglichen Leben, im Verhältnis zum Hof, in geselligen Zusammenkünften und kommunikativen Kontakten, Ansätze zur Entstehung und Gestaltung einer bürgerlichen Öffentlichkeit erkennen lassen. Mit einigen Hinweisen zur Rezeption, zur Darstellung und Bewertung des Lebens Jerusalems und seiner Braunschweiger Freunde aus dem Rückblick des 19. und 20. Jahrhunderts, soll schließlich eine zusammenfassende Beurteilung der Wirksamkeit seiner Ideen und Handlungen versucht werden. (top) |
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