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| Publikationen | Kurze Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur Inhalt Rezensionen Leseprobe |
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Ein kompakter und leicht verständlicher Überblick über die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Er bringt uns Klassiker von »Robinson« bis »Harry Potter« nahe, umreißt die Grundströmungen der Kinderliteratur und stellt sie in den gesellschaftlichen und pädagogischen Kontext. Behandelt wird die ganze Vielfalt der Gattungen und Medien: Romane und Erzählungen, Märchen und Gedichte, Filme und Comics. Ein Wegweiser für Eltern und Pädagogen, Bibliothekare und Buchhändler und alle, die Kinder- und Jugendbücher lieben. HINWEIS: Der Text des Buches entspricht im Wesentlichen dem »Schnellkurs Kinder- und Jugendliteratur« (Köln: DuMont 2003, 192 Seiten, 14,90 Euro), er wurde überarbeitet und aktualisiert. Der »Schnellkurs« ist nicht mehr lieferbar und nur vereinzelt noch antiquarisch erhältlich. |
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| Inhalt
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Anfänge
(1450–1750) Aufklärung (1750–1800) Romantik und Biedermeier (1790–1850) Tendenzen des Realismus (1830–1900) Reformbewegungen um 1900 Bis zur Weimarer Republik
(1900–1930) Neue Sachlichkeit und Sozialismus (1920–1932) Nationalsozialismus und Exil (1933–1945) Nachkriegszeit (1945–1969) Die neue Aufklärung (1970–1978) Neoromantik und Postmoderne (1979–1997) Grenzüberschreitungen (1998–2011) Auswahlbibliografie (top) |
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Aus Besprechungen zum »Schnellkurs Kinder- und Jugendliteratur«: »Dabei
ist ihr das Kunststück gelungen, auf knappstem Raum ein differenziertes
Bild der engen Verflechtung der literarischen Entwicklungen mit dem Wandel
der pädagogischen Konzepte und der geschichtlichen Rahmenbedingungen
zu zeichnen und dabei auch noch durchgängig locker und anregend zu
formulieren.« »... ein souverän gemeistertes Kompendium,
gut geschrieben, von enormer Sachkenntnis zeugend, mit klugen Einschätzungen
und einer Sicht ausgestattet, die manchem wissenschaftlichen Kärrner
die Richtung weisen kann, manchen Kollegen zum Widerspruch en detail reizen
wird, aber auf jeden Fall allen Interessierten, denen vom Fach wie den
Bibliophilen, besonders aber den Studenten der Literatur- und Kulturwissenschaft,
zur Lektüre dringend empfohlen wird.« »Einen interessanten Überblick
über die wechselvolle Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur
gibt nun Isa Schikorsky. Ihr bei DuMont erschienener "Schnellkurs
Kinder- und Jugendliteratur" ist nicht nur als Einstieg in die Thematik
unbedingt zu empfehlen, sondern auch als knappes Nachschlagewerk, das
informiert - und auch unterhält.« |
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| Volkspoesie
als Kinderliteratur Der Beginn romantischer Kinderliteratur in Deutschland kann auf das Jahr 1808 datiert werden, als Achim von Arnim (1781-1831) und Clemens Brentano (1778-1842) den dritten Band ihrer Volksliedersammlung »Des Knaben Wunderhorn« herausgaben. Ihr volkspoetischer Anspruch hielt die Herausgeber allerdings nicht davon ab, die Quellen so zu bearbeiten, dass sie ihren eigenen Vorstellungen von idealer »Volkstümlichkeit« und romantischem »Kinderton« entsprachen. In einem Anhang ließen sie Gebete, Gedichte und Lieder abdrucken, die, zum ersten Mal in der Literaturgeschichte, ausdrücklich für Kleinkinder bestimmt waren. Und noch etwas war neu: Diese Texte wollten nicht belehren. Im bunten Mix aus Liedern für die verschiedenen Tages- und Jahreszeiten und zur Begleitung von Spielen und Tänzen fanden sich bis heute beliebte Reime wie »Lirum, Larum, Löffelstiel« oder »Guten Abend, gute Nacht«. Die Verse ahmten kindlichen Sprachgebrauch nach, boten Sprachspiel und Lautmalerei oder orientierten sich am Rhythmus körperlicher Bewegungen wie etwa bei den Kniereiter- oder Schaukelliedern. Mit dieser Sammlung eroberte sich die Kinderlyrik einen Platz in der Kinder- und Jugendliteratur. Wesentlich nachhaltiger noch wirkten sich die volkspoetischen Ideen der Romantik auf die Gattung der Kindermärchen aus. Die Aufklärer hatten noch vor den so genannten »Ammenmärchen« gewarnt, da sie Fantasie und Gefühl der Kinder zu sehr anregen würden. Die Romantiker dagegen betonten die besondere Neigung der Kinder zum Wunderbaren, die sie mit deren ganzheitlichem Bewusstsein erklärten, in dem Innen- und Außenwelt, Traum und Realität noch eins seien. Als bedeutsamste Märchensammler der Zeit gelten die hessischen Philologen Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859). Mit akribischem Eifer trugen die Brüder Sagen, Märchen und Legenden aus der schriftlichen, vor allem aber der mündlichen Überlieferung zusammen. Dass es sich nicht – wie lange angenommen – um poetische Zeugnisse aus den unteren Bevölkerungsschichten handelte, hat die germanistische Forschung nachgewiesen. Die Zuträger waren zumeist literarisch gebildete junge Damen aus dem Kasseler Bürgertum. 1812 gaben die Gebrüder Grimm den ersten von drei Bänden ihrer »Kinder- und Hausmärchen« heraus. Erfolgreich waren sie damit zunächst nicht. Für Kinder hielten die Zeitgenossen diese Texte, in denen es von Obszönitäten, derben Zoten und Grausamkeiten nur so wimmelte, keineswegs geeignet. In den folgenden Jahren machte sich Wilhelm Grimm daran, die Sammlung gründlich zu überarbeiten. Er glättete und milderte anstößige Stellen und strich einige besonders brutale Märchen. Im Vorwort zur zweiten Auflage von 1819 hieß es dann: »Dabei haben wir jeden für das Kindesalter nicht passenden Ausdruck [...] sorgfältig gelöscht.« Erst die so genannte »Kleine Ausgabe« von 1825 mit einer Auswahl von fünfzig Geschichten, darunter »Der Froschkönig«, »Hänsel und Gretel«, »Aschenputtel« und »Dornröschen«, begründete den beispiellosen Siegeszug der Grimmschen Märchen. In dieser Form wurden sie stil- und gattungsbildend für das Volksmärchen und zu einem Klassiker der Kinderliteratur. Unverkennbare Merkmale sind die schlichte Struktur, die zahlreichen Wiederholungen und der stereotype Handlungsablauf, aber auch der formelhafte, naive Sprachgestus, der fortan als Inbegriff des volkstümlichen Märchentons galt. Faszination und überzeitliche Aktualität der Geschichten beruhen auf dem Prinzip des Einfachen. Archetypische menschliche Grundsituationen und -probleme werden in prägnante Bilder gefasst und mittels wunderbarer Lösungen, insbesondere durch Zauberei, nach einem immer gleichen Muster bewältigt. Dieser Schematismus, der auch in der Anlage der auf wenige Merkmale reduzierten Figuren, der schlichten Moral und dem stets glücklichen Ausgang zum Ausdruck kommt, entspricht entwicklungspsychologisch dem noch eingeschränkten Weltbild jüngerer Kinder, die von den Märchen der Brüder Grimm zumeist besonders angetan sind. (top) |