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Der Briefwechsel von Albert und Friederike Böhme
aus Braunschweig zeigt den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71
aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Nicht Generäle, Politiker
oder Offiziere kommen zu Wort, sondern ein einfacher Soldat, Tischlergeselle
im Zivilberuf, und seine junge Ehefrau. Friederike Böhmes Briefe
spiegeln das private und städtische Alltagsleben in Braunschweig
in vielen farbigen Facetten. Ihr Mann Albert schildert seine Erlebnisse
als Soldat des Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92 in Frankreich.
Am exemplarischen Einzelfall lassen sich Aufschlüsse über Lebensweisen,
Handlungsmotive und Einstellungen, aber auch über das Denken und
Fühlen ›kleiner Leute‹ in der besonderen Situation des
Krieges gewinnen. Die Briefe geben deutlich andere Auskünfte als
die traditionelle Militärgeschichtsschreibung und teilweise auch
als die empirische Sozialgeschichte. |
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Aus
Rezensionen |
»Die
Sammlung überzeugt nicht nur durch die sorgfältige Edition der
Briefe und ein gründliches Vorwort, sondern auch dadurch, dass Sch.
die Briefe gelegentlich mit Tagesbefehlen oder Schilderungen der offiziellen
Regimentsgeschichte kontrastiert, wodurch der Unterschied zwischen dem
Realismus des einfachen Mannes und der pathetischen Überhöhung
sehr deutlich wird.« »Der Herausgeberin gebührt das
große Verdienst, durch eine subtile Aufbereitung der sicherlich
über weite Strecken relativ monoton und trocken wirkenden Materialien
diesem Briefwechsel eine gleichsam höhere Wertigkeit verliehen zu
haben.« |
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Leseprobe |
19.
August 1870 – Albert Böhme an Friederike Böhme St. Briwat den 19 August 1870. Morgens Innigst Geliebte Gattin! Mit schweren Herzen schreibe ich Dier diesen Brief Ich muß Dier benachrichtigen wir sind an 16 August und 18 August vorn Feind ins Feuer gewesen Gott sei Dank Wilhelm u Ich wir sind noch jetzt Unfersehrt geblieben, aber viele viele Todte u Verwundete von unsern Kammeraden H Haars auch am Kopfe, was uns Liebe Friederike noch zugedacht ist das weiß Gott der diese beiden Schlachten Gesiegt hat über den Franzosen die erste war bei Trionvil die andere hier wo das Dorf mit Granaten in Brand geschoßen ist. Es sind viele Franzosen Gefangen genommen u zur Deutschen Festung geführt, Eine Frau hier im Dorfe hat 3 Sächsische Verwundete Officire den Hals Abgeschnitten u mehrere die Augen ausgestochen sie ist gebunden und Gepeinigt. hiermit muß ich schließen die Briefe sollen fort. es geht hier Mörderlich her in Frankreich //15v// Es grüßt Dich u küßt Dich Dein treuer Gatte bis in den Todt Albert/ An meinen u Deine Elter Herzliche Grüße an die Eltern, Tante Geschwister u Bekanten bis aufs Wiedersehn. Eine Französische Fahne Erobert. – Lebe wohl immer Gretchen bis in den Todt aufs Wiedersehn 25.
August 1870 – Friederike Böhme an Albert Böhme |